Freitag, 28. Oktober 2016

Hello Sunshine, here is the cloud.

Hallo ihr Lieben,
So, dann gucken wir mal, ob ich diesen Post heute tatsächlich noch fertig kriege. Ich wollte euch ja nun endlich meine direkte Umgebung, sowie eventuell 1-2 Bilder aus meinem Apartment zeigen. Außerdem gibt es heute ein paar Bilder von Sannomiya, der Innenstadt hier in Kobe. Wie in eigentlich allen großen Städten, gibt es natürlich mehrere Orte zum Shoppen und abends Weggehen, aber tatsächlich lässt sich Sannomiya als das Stadtzentrum betiteln. Im Gegensatz zu Tokyo oder Osaka, wo es davon 416893712 zu geben scheint. Nun gut, in Kobe leben ja auch nur rund 1 Millionen Menschen.
Das macht es aber eigentlich ganz angenehm, wenn man in Kobe wohnt, da es deutlich übersichtlicher ist und man Leute, die man einmal kennen lernt tatsächlich auch wieder trifft. Was zugegeben nicht immer wünschenswert ist. Ich wohne ca. 30 min. Bahnfahrt von Sannomiya entfernt, dafür aber fußläufig zur Uni. In der Woche tatsächlich sehr angenehm, weil man die Ruhe hat die Sachen für die Uni fertig zu kriegen. Außerdem haben wir alles, was man so für den Alltag braucht direkt vor der Tür: Conbini, diverse Schnellrestaurants, ein Einkaufszentrum und in 10 min Fußweg ein weiteres kleines Zentrum mit Izakaya und Karaoke. Zum Joggen eignet sich die Gegend auch, sofern man keine Probleme mit Hügeln hat. Die gibt es hier nämlich zuhauf. Als Bonus gibt es um die Ecke noch eine Polizeistation und Feuerwehr. Das kann zwar auch nachts mal laut werden, in der Regel bekommt man von den Herren und Damen aber nicht viel mit. Für meine Kochexperimente, aber definitiv die richtige Anlaufstelle.
Während man bei mir schon richtiges Kleinstadtfeeling erfährt, ist Sannomiya einfach genau das, was man an japanischen Städten schätzt: Bunt, irgendwie wuselig, voll und voller Cafes und Shoppingmöglichkeiten. Abends probieren (wie überall in Japan) Damen und Herren euch in ihre Bars/Restaurants/Clubs zu lotsen und betrunkene Salarymen wanken durch die Straßen. Als Gaijin (aka Ausländer) wird man von den Leuten übrigens meist nicht angesprochen, da viele entweder nicht gut Englisch sprechen oder sich nicht trauen.
Nicht weit von Sannomiya ist der Kobe Port, den ich euch auch immer wieder auf Instagram gezeigt habe. Beeindruckend ist nicht nur die Sicht per Nacht, sondern auch der Memorial Park zum Hanshin Erdbeben, bei dem man die Schäden Unterwasser noch besichtigen kann.
Man merkt es vielleicht: Ich bin wirklich wirklich angetan von Kobe, das in Gegensatz zu vielen anderen Großstädten in Japan mit viel Grün und schönen Orten zum Schlendern aufwarten kann, ohne dabei den Großstadtflair zu verlieren.
Allerdings treibe ich mich am Wochenende genau so gerne in Osaka (ca. 25 Min von Sannomiya) und Kyoto (ca. 50 Min von Sannomiya) rum. Zu den beiden Orten zeige ich euch später noch einmal Fotos, da bin ich mir sicher. Wobei sich Kyoto ja gut googlen lässt, ist sie nun einmal die beliebteste Touristenstadt in Japan. Was man leider auch merkt, wenn man sich in den Stadtzentren rumtreibt.
Eine kleine Anekdote aus meinem Leben, gepaart mit der Erkenntnis, das ich wohl der größte Idiot auf Erden bin, folgt allerdings auch noch.
Ich war letzte Woche in Osaka mit dem Ziel in eine Rockbar zu gehen, da wir die Woche davor in Kyoto Leute kennen gelernt haben, die ziemlich genau meinen Musikgeschmack teilen. Da diese aber erst etwas später öffnete, gingen wir zunächst in eine kleinere (ja noch kleiner. Dafür liebe ich Japan ja: Diese vielen, kleinen Bars und Restaurants, die du nur findest, wenn du ungefähr n Plan hast wo es hingehen soll) Bar auf ein/zwei Bier. Dort trafen wir ein unglaublich nettes Pärchen aus New York und als unser eigentliches Ziel öffnete, nahmen wir die beiden gleich mit. In besagter Bar trafen wir dann auf zwei Mexikaner, der eine lud uns auch gleich auf seine Hochzeit im Mai ein. So entstand eine wirklich lustige Runde aus diversen Ländern und Kontinenten (und mal kein Japanisch sprechen für einen Abend ist auch ganz angenehm, da meine Begleitung auch einwandfrei Englisch sprach). 
Um 4 Uhr morgens stellte sich dann so langsam der Hunger ein. Mit der Info an den Barkeeper, wir seien in 20 Minuten zurück, verließen wir die Bar.
Wer mir auf Twitter folgt, weiß was jetzt kommt: Da wir wirklich nur kurz rausgehen wollten, ließ ich meine Tasche mit Schlüssel, Handys und Geldbeutel in der Bar (in Sicht des Barkeepers). Zugegeben etwas, was ich in Deutschland nie nie nie machen würde. Aber in Japan lassen Leute auch ihre Handys im McDonalds auf dem Tisch liegen während sie bestellen gehen. Diese gewisse Grundgemütlichkeit, was die eigenen Habseligkeiten angeht, schien so langsam auf mich abzufärben. Tja und es kam, wie es kommen musste: Wir kamen nach rund 20-25 Minuten zur Bar zurück und das Ding war geschlossen. Mit all meinen Sachen.
Ich hatte dann das große Glück, dass mich meine Freunde aus Kyoto aufgenommen haben und ich dort übernachten (und -tagen) konnte, da die Bar erst wieder um 21 Uhr öffnen sollte und ich bis dahin quasi Obdachlos war. Auch mal eine interessante Erfahrung. Nicht zwangsläufig zu empfehlen.
Mein noch viel größeres Glück war, dass der Freund, bei dem ich dann untergekommen bin mit einer der Barkeeperinnen befreundet war und sie uns zumindest schon mitteilen konnte, dass die Sachen auch noch in der Bar waren.
Ich habe nach wie vor ein schlechtes Gewissen, da mir besagter Freund nicht nur sein Bett überlies und auf dem Boden schlief, sondern mir auch alles bezahlen musste (Zugfahrt etc) und am Ende nicht mal das Geld zurück haben wollte. Das sind die Momente, in denen ich die japanische Freundlichkeit gerne durch die Wand treten würde. Zwischen einer riesen Szene im Bahnhof und einem überschwänglichen Danke hin und her gerissen, habe ich dann glaube ich einfach betreten auf den Boden gestarrt. Ich hatte ein wirklich unglaublich schlechtes Gewissen. Bzw. habe es immer noch.
Genug der Peinlichkeiten und Missgeschicke.
Hier endet meine Story für heute. Wie üblich findet ihr hier drunter einige Bilder. Ich hoffe es geht euch gut und ihr genießt die Vorweihnachtszeit. ;)
In Japan gibt es nach wie vor Halloween-Zeugs bis zum Abwinken, was mir zugegeben besser gefällt als Weihnachtsmänner im Oktober.
Außerdem wird der ein oder andere bestimmt gesehen haben, dass die liebe Anna aka Teddyelfe mir jetzt ab und an zur Seite steht, damit es hier nicht allzu ruhig wird. Ich hoffe euch hat ihr erster Post genau so gefallen wie mir! :)
Jeffree Star, Melt, Black Moon... Hauptsache etwas Makeup. q;

Kaufhaus in Sichtweite
Unser Apartmentkomplex
Lalülala
Kobe Port
Motomachi zwischen Kobe Port und Sannomiya
Sannomiya
Natürlich hat es heute auch wieder geregnet. Wetter liebt mich, aber nun gut. Ich hoffe ihr könnt trotzdem einen kleinen Eindruck darüber machen, wie es sich in Kobe so lebt.
Vielleicht kommt ihr ja auch mal auf ein paar Tage in die Stadt.
Ansonsten wünsche ich euch ein grandioses Wochenende, ich werde morgen kräftig Halloween feiern, da der erste leider kein Feiertag ist.
In diesem Sinne,
Bis demnächst!

Freitag, 21. Oktober 2016

Die Katze lässt das Mausen nicht...

Hallo ihr Lieben,
lange war es still um mich, ich hab einiges sortieren müssen. Mein eigener Blog ist dabei auf der Strecke geblieben, darum war es die logische Konsequenz, diesen aufzugeben. Aber das Schreiben fehlt, manchmal, dann doch. Darum hab ich von Anna das liebe Angebot bekommen, dieses Bedürfnis einfach hier auszuleben... <3 - Für die, die mich noch nicht kennen, auch ich heiße Anna... wird also ein wenig verwirrend, aber ich trau euch das zu.
Loslegen möchte ich mit der Vorstellung einer Palette, die gar nicht mehr so neu ist, dafür aber gut getestet und für hervorragend befunden. Erhältlich in Deutschland ist ja für mich auch nicht alltäglich, aber für euch sicherlich um so schöner. 


Anastasia Beverly Hills ist ne Marke, die eigentlich für gute Augenbrauenprodukte bekannt war. Ja, war, denn mittlerweile machen die sich echt nen Namen bei Lidschatten, Highlightern und so nem Quatsch - und ich geh voll mit. Von Beginn an hörte man, dass die lancierten Paletten von hervorragender Qualität sind, doch die ganzen limitierten Dinger sprachen mich nicht wirklich an. Wenn grün oder blau enthalten sind, skippe ich dann doch lieber, nutz ich eh nicht. Bääääh. Doch rot, warme brauntöne und sogar mattes orange? Leute - da bin ich voll bei! Dass die Modern Renaissance Palette bei mir einzieht war also keine Frage. In Deutschland war sie noch nicht erhältlich als ich sie in den Patschehänden hielt, ein Kollege war so lieb sie in Amerika für mich zu jagen, gleich an dem Tag an dem sie dort erhältlich war. Ist jetzt auch schon ein paar Monate her, ich sag ja, getestet wurde genug. Sieht man ihr auch an auf den Bildern… Kaufen könnt ihr sie aktuell bei Douglas nicht, sie ist wohl ausverkauft. Doch hier bei Magi sieht man den Stand jeweils.


Und ich liebe die Palette, von vorne bis hinten, sie ist einfach genau mein Beuteschema, entspricht exakt meinem Wohlfühlbereich, voll mein Ding. Irgendwas findet man ja normalerweise immer, worüber man meckern kann, doch hier muss ich gestehen, hält sich dieses meckern enorm in Grenzen. Jeder der Töne hat seine Daseinsberechtigung, jeder der Töne hat was auf dem Kasten. Genau so finde ich das prima (Nur Love Letter ist im Swatch schwach auf der Brust)!



Für mich ist die Palette in zwei Bereiche unterteilt, einmal die neutralen Blendetöne und Highlighter, und einmal die tollen Rottöne die der Palette den kick geben. Sie ist dabei nicht mal ausnehmend in warmen Tönen gestaltet, auch für kühlere Looks gibt es hier Alternativen. Kühl ist natürlich nochmal was Anderes, aber kühlER kann ich so stehen lassen. Ein schneller Look mit einer warmen Creasefarbe, einem schönen schimmernden Highlight im Innenwinkel und einem intensiven Rot auf dem Lid, abgedunkelt am Außenlid, ganz klassisch also… spielend Leicht zu machen. Die Farben blenden sich gut aus, ohne die Intensität einzubüßen, sie lassen sich gut verarbeiten und verwischen nicht zu einem Einheitsbrei wenn man das nicht möchte.


Ich hab mich an dieser Stelle mal mit Absicht gegen einen Look entschieden, erstens kann Anna das viel besser und kreativer und zweitens gibt es mittlerweile schon einige, auf die ich verweisen kann. Die Swatches sind
Beispiel: Hier von Blushaholic sogar im Zuge einer Blogparade zu eben dieser tollen Palette
Falls ihr doch was sehen möchtet, lasst es mich gern wissen, kann ich in einem gesonderten Artikel gern nachreichen.

Donnerstag, 13. Oktober 2016

When I get my shit done...

Finally~
Ich habe mir aus dem 100¥ Shop Geschenkpapier gekauft und die Investition hat sich jetzt schon gelohnt. Neben allerlei pinken Grausamkeiten, gab es auch diese, völlig unpassende Paris-inspirierte Version. Thematisch vielleicht etwas daneben, aber immerhin neutral genug um ein paar Produkte darauf präsentieren zu können. Da die Rollen hier wie gesagt nicht einmal 1€ kosten, wird wohl noch das ein oder andere Motiv hinzukommen.

Dafür präsentiere ich euch heute endlich das Melt Rust Stack und Gun Metal Stack in ihrer vollen Pracht. Und da ich letztens ja schon einen Look zum Gun Metal Stack geschminkt hatte, gibt es heute einen, rein aus den Farben des Rust Stacks. Sowie Swatches und Produktfotos. Denn sein wir ganz ehrlich: Ich liebe es Looks zu schminken und auszutragen, aber ich mache einfach viel lieber Produktfotos. Das hat für mich ein sehr Zufrieden stellendes Gefühl, das meine innere Katze schnurren lässt wie mein alter Kater, wenn die Familie beisammen auf dem Sofa sitzt.
Von daher: Sperrt die Lauscher zu und macht die Äuglein auf, es gibt Fotos zu begutachten (und ein wenig Geschreibsel meinerseits zu lesen).
Das besondere an den Stacks ist, wie der Name schon vermuten lässt, dass sie stapelbar sind und nicht als Palette daher kommen. Ich finde diese Art der Verpackung tatsächlich ziemlich praktisch und das Plastik fühlt sich durchaus hochwertig an. Zusammengehalten wird das ganze durch Magnete. Die Teile sind mir zugegeben schon runtergefallen (wie alles, was ich so anfasse...) und da hat der Magnet gehalten, noch einmal ausprobieren möchte ich das aber nicht. Das Rust Stack ist nach den Dark Matter (besitze ich auch), Love Sick und Radioactive Stacks das erste mit fünf Farben, die allesamt matt und allesamt warm sind. Die Textur ist wirklich unglaublich buttrig. Etwas Kick Up hat man beim entnehmen, Fall Out sucht man aber vergebens und die Pigmentierung ist ein wahrer Traum. Ich bin nach wie vor ausgesprochener Fan des Dark Matter Stacks, aber diese fünf Kandidaten haben sich mal eben das Krönchen geholt. Ich weiß, 58$ sind eine Hausnummer und nicht jeder braucht 2,9g (im Schnitt) Produkt pro Farbe, aber eben weil es sich hier um Basic Farben handelt, finde ich ist dieses Stack jeden Cent wert! Außerdem ergänzen sich die Farben mit den Dark Matter Stack, aber auch mit dem Gun Metal Stack super, sodass ich für neutrale Make-Ups (farblich gesehen) alles habe, was man so braucht. Und den Rest habe ich in meinen MAC-Paletten angesammelt.
Apropos Gun Metal Stack. Die jüngste Schwester in der Familie enthält wieder vier Nuancen, weißt aber trotzdem ein anderes Konzept auf: Nur eine matte Nuance, eine schimmernde und etwas, was man wohl als Glitzer-mit-Weteffect bezeichnen könnte. First things first: Ich liebe Assimilate. Das kühle Taupe ist der perfekte Kontrast zu den sonst eher warmen Melt-Farben und weißt die selbe tolle Textur auf die das Rust Stack. Harsh Stone White wird durch seinen Namen eigentlich perfekt umschrieben und ist ein toller, intensiver Highlighterton auf dem und ums Auge. Die beiden Stars dieses Stacks sind aber ohne Frage Gun Metal und Industrial. Beides sind dunkle Glitzertöne, die wie gesagt fast nass auf dem Auge wirken. Beim Auftrag ist mit Fall Out zu rechnen, sobald die beiden auf dem Auge sitzen, halten sie aber bombenfest. Auf den Pressefotos sahen die Farben für mich zugegeben recht ähnlich aus, tatsächlich unterscheid sich aber nicht nur die Grundfarbe, sondern auch der Schimmer. Gun Metal ist kühler, dunkler und hat einen tollen blauen Sheen. Industrial ist eher Taupe als Grau und ist mit einem silber Schimmer durchzogen. Der Effekt auf dem Auge ist göttlich, danke Melt! ;) Wie die anderen vierer Stacks auch, kostet das Gun Metal Stack 48$ und ist momentan auch wieder in Stock.
Rott, Rust, Rubbish, Antique, Classic
Gun Metal, Industrial, Assimilate, Harsh Stone White
Swatches machen, die gleichmässig und irgendwie schön sind lerne ich in diesem Leben nicht mehr, darauf haben wir uns glaube ich schon geeinigt, oder?

Im Anschluss findet ihr einen Cutcrease Look mit dem Rust Stack. Wisst ihr was mich stört? In den Close-Ups sehen die Looks immer recht "groß" aus und auf normalen Fotos sieht man so aus, als hätte man kaum was auf den Augen. Im Realen kommt das dann aber schon wieder eher rüber. Ich weiß nicht, ob das nur mir so geht, aber mir geht das so auf die Nüsse. Close-Ups und Realität: Wow, das ist viel Winged Liner. Fotos auf Portraitgröße: Was, du hast Augen? Wo? Deswegen mag ich diese Fotos auch nicht, die werden der Zeit die ich in den Shit investiere überhaupt nicht gerecht. Bläh.
So, genug beleidigte Leberwurst gespielt. Ich habe vielleicht auch einfach kleine Augen und will mich nicht damit abfinden, okay? Okay, danke. :D
Wir sehen uns die Tage wieder, ich hoffe es geht auch allen gut! c:
Ganz viel herzige Liebe aus Japan,
Bis demnächst!

Montag, 10. Oktober 2016

Glück auf seinen Schultern tragen

Hallo ihr Lieben,
Ich melde mich zurück aus dem (für mich) schönsten Land der Welt und habe immer noch keine Fotos von meiner unmittelbaren Umgebung im Angebot. Dafür hatte ich gestern aber die Chance ein besonderes Event in einer kleinen Stadt namens Yamaguchi (Städte mit diesem Namen gibt es in Japan mehrere) in der Nähe von Kobe. Das Festival nennt sich 秋祭り was schlicht "Herbst-Festival" bedeutet und ein shintoistisches Fest ist. Dabei ziehen, schieben oder tragen die Männer aus der Stadt Festwagen, die verschiedene Gottheiten repräsentieren. Soweit habe ich das noch verstanden. Da die Erklärung aber durchgehend auf Japanisch erfolgte, habe ich zugegeben irgendwann abgeschaltet und mich aufs Fotografieren konzentriert. Multitasking in fremden Sprachen benötigt dann doch etwas mehr Konzentration.
Yamaguchi ist eine wirklich schöne kleine Stadt, bzw. schon eher Dorf, wenn man Kobe oder gar Osaka in der Nähe betrachtet. Die Straßen sind ruhig und Bürgersteige sucht man vergeblich. Trotzdem ist das 秋祭り(Aki-Matsuri) hier das Größte in Kansai dieser Art. 
Der Ablauf an sich ist schon ein Erlebnis: Die Prozession, die ihr als erstes sehen könnt startet am Schrein und kehrt auch wieder zurück, die anderen Wagen beginnen in ihren jeweiligen Stadtteilen (zumindest lies das die Karte vermuten) und treffen nach und nach am Schrein ein. Dabei wird das letzte Stück die Schreineinfahrt hoch gerannt. Die Wagen sind aus massivem Holz, jeweils mit Kindern und erwachsenen Männern an Bord und ich möchte mir wirklich nicht ausmalen, was die Dinger wiegen.
Deswegen ist es auch ungeheuer wichtig, vor der Einfahrt in den Schrein genau abzuwägen, ob man den richtigen Winkel trifft. Die Justierung kann je nach Wagengröße rund 10 bis 15 Minuten dauern. Wie wichtig die richtige Ausrichtung ist, mussten wir dann leider erfahren, als einer der Träger mit seinem Fuß unter den Wagen geriet, als er nach links abdriftete. Kinder, ich hab das Bild immer noch vor Augen, da der Herr genau vor unseren Füßen zu Boden ging und ich direkten Einblick die Verletzung am Fuß hatte. Ich habe den Moment leider auch auf Kamera eingefangen, auf dem man die Verletzung zwar nicht sieht, aber den Moment in dem er stolpert. Wie ihr euch sicher denken könnt, werde ich dieses Video niemals auch nur irgendwo veröffentlichen und ich habe nach dem Unfall auch bis zum Ende des Einzugs keine weiteren Fotos mehr gemacht.
Unsere Freundin, die in Yamaguchi lebt und uns mitgenommen hat, hat uns schon mitgeteilt, dass es dem Mann gut geht und er wohl keine bleibende Schäden davon tragen wird. Außerdem war dies wohl der erste Unfall dieser Art in den letzten Jahrzehnten.
Der Schock war auch den Beiwohnenden deutlich anzumerken und so wurde bei jeder weiteren Gruppe, die Anlauf auf den Schrein nahm kollektiv der Atem angehalten.
Ich fühle mich durchaus etwas komisch, darüber zu berichten, den Vorlauf zu verschweigen schien mir aber auch falsch, da eben nicht immer alles glatt läuft. Ich wünsche dem verletzten Herrn alles Gute und eine schnelle Genesung, sowie viel Kraft für die Angehörigen.

Als alle Wagen eingefahren und die letzte Ansprache gehalten wurde, habe ich noch einmal den Moment genutzt um den Platz vor dem Schrein etwas genauer zu fotografieren. Da sich dort nach wie vor viele Menschen tummelten, habe ich zugegeben mehr Hinterköpfe fotografiert als alles andere. Mit meinen nicht-ganz-1,70m blende ich dann doch ganz gut in die Masse ein. Als (mit Olivia) einzige Nicht-Japaner ein ganz angenehmes Gefühl gebe ich zu, da gerade in kleineren Städten schon immer wieder verwirrt geguckt wird, wenn Ausländer durchs Bild stapfen.

Alles in Allem war es wirklich eine beeindruckende Erfahrung. Man konnte den Menschen wirklich ansehen, wie viel Herzblut man in dieses Festival gesteckt hat und ich empfinde großen Respekt, dass man trotz des Unfalls am zweiten Wagen, die Veranstaltung bis zum Ende durchgezogen hat. In kann jedem Japanreisenden empfehlen, sich ein derartiges Event, sei es nun in Kansai oder Kanto oder sonst wo, anzusehen.
Ich hoffe ihr genießt die Fotos ein bisschen,
Bis demnächst!